Ungeheuer sinnlich und mitreißend
von Heike Nickel
Udo Schild gastierte im Bourbonensaal
Er gilt als einer der besten Soul- und Jazz.Sänger des Landes und arbeitete
schon für Bobby Womack und Johnny Guitar Watson.
Satzvey- Während knapp neun Millionen Menschen vor den Fernsehgeräten die
musikalischen Auswüchse des Grand Prix d’Eurovision verfolgten, hatte sich am
Samstagabend eine kleine Schar illustrer Fans im Bourbonensaal der Burg Satzvey
eingefunden, um ein musikalisches Ereignis ganz anderer Art zu genießen: Udo
Schild und seine Band. Der in Köln lebende Sänger, Songwriter, Gitarrist und
Produzent präsentierte nicht nur seine ihm eigene Mischung aus Soul, Jazz und
Folkmusik, sondern schnitt das Konzert auch gleich mit, um damit eine für den
Herbst geplante Live-CD zu füllen.
Udo Schild, früher unter dem Pseudonym „Leon Delray“ in der musikalischen
Landschaft unterwegs, bewegte seine Zuhörer mit gefühlvollen, wunderbar
arrangierten Songs, vorgetragen mit seiner sonoren, charismatischen Soulstimme, die
einem jeden unter die Haut geht. Schilds Spezialität ist seine in Perfektion
beherrschte Art, den emotionalen Ausnahmezustand des Lebens - Liebe und Verlust,
Trauer, Depression und höchste Glücksgefühle - einzufangen und lyrisch wie
musikalisch so umzumünzen, dass man den daraus entstehenden Liedern fast schon
eine therapeutische Wirkung bescheinigen kann. Dabei wirken die Songs keineswegs
schmalzig oder mit Gefühlsduseleien überfrachtet, sondern kommen ehrlich und
einfühlsam daher. Lieder wie „You“, „Catch me if you can“, „Day by day“, oder
„I’m glad to be alive“ trösten, rücken gerade und laden genauso zum träumen
wie zum abrocken ein, denn an Rhythmik und Drive fehlt es den Kompositionen
ebenfalls nicht.
Schild, nebenbei auch ein hervorragender Gitarrist, hatte am Samstag eine
Combo im Gepäck, die ihm in nichts nachstand. Horst Zaunegger am Bass, Maik Schott
am Keyboard, Ebasa, „Der Meister“, an der Trompete und Knut Jerxen,
Percussion, bewiesen Können und Improvisationsgabe.Die jazzigen Passagen der Songs
waren angereichert mit fantasievollen Soli. Jeder Musiker konnte sich von seiner
besten Seite präsentiern, was vom Publikum lautstark quittiert wurde. Die
Musiker warfen sich gegenseitig die Bälle zu und jazzten, swingten und rockten in
komplexer Harmonie, was das Zeug hielt.
Balladen und Coversongs
Udo Schild brachte nicht nur erfolgreiche Stücke seiner Ära als Leon Delray
zu Gehör, sondern auch einige der schönsten Balladen der CD „Morning“ sowie
einige Coversongs. Mit dabei waren Otis Reddings „Dock of the bay“ und die
Marvin Gaye - Hits „Ain’t no sunshine“ und „What’s going on“. Schild kupferte
aber nicht einfach ab, sondern verpasste den Stücken durch seine eigene
Interpretation einen neuen Charakter.
Den Zuhörern im Bourbonensaal fiel es schwer, still zu stehen. Gut zwei
Stunden lang wurden sie von der anspruchsvollen, ungeheuer sinnlichen und
gleichzeitig mitreißender Musik verwöhnt. Auf der mitgeschnittenen CD dürfte dann auch
unschwer die Begeisterung des Publikums zu hören sein.





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